Vorsicht - giftig!
Leider hält sich der Irrglaube, dass Tiere genau wissen, was gut für sie ist, hartnäckig. Fakt ist, Tiere essen, was ihnen schmeckt, was interessant riecht oder einfach nur erreichbar ist … und nehmen dabei evtl. giftige Substanzen auf. Schokolade ist hier wohl das bekannteste Beispiel.
Im Alltag gibt es viele Stoffe, die für unsere Fellchen gefährlich, sogar tödlich sein können – Pflanzen, Lebensmittel, Medikamente oder auch Haushaltschemikalien.
Reinigungsmittel
Reinigungsmittel, besonders desinfizierende oder antibakterielle, enthalten oft den Stoff Benzalkoniumchlorid. Der kann neben einer Vergiftung auch Verätzungen der Haut, Schleimhaut oder Augen verursachen. Die Wirkung zeigt sich oft verzögert, weil eine Katze über eine frisch gereinigte Fläche gelaufen ist und sich anschließend die Pfötchen putzt. Typischerweise treten die Symptome etwa sechs Stunden nach der Aufnahme auf: starker Speichelfluss, Appetit- und Teilnahmslosigkeit, erhöhte Körpertemperatur und Bildung von Wunden auf der Zunge und in der Mundhöhle. Auch Atemprobleme können auftreten.
Eine Deiner ersten Maßnahmen sollte sein, Dein Tier an der weiteren Aufnahme von Benzalkoniumchlorid zu hindern. Ein Kragen um den Hals verhindert weiteres Ablecken der Pfoten. Außerdem solltest Du die betroffenen Stellen mit reichlich fließendem, lauwarmem Wasser abspülen. Danach unbedingt zum Tierarzt! Selbst wenn Dein Tier keine Symptome zeigt – lieber einmal zu oft beim Tierarzt gewesen als einmal zu wenig.
Um solchen Vergiftungen vorzubeugen, verwendest Du idealerweise Reinigungsmittel, die kein Benzalkoniumchlorid enthalten.
Ethylenglykol
Ethylenglykol ist in vielen Frostschutzmitteln enthalten und bereits in kleinsten Mengen (1,5 mg/kg Körpergewicht) tödlich!
Die größte Gefahrenquelle stellen Scheibenenteisungssprays dar – die sind zwar praktisch für uns Menschen, wenn wir im Winter die Autoscheiben nicht erst umständlich freikratzen wollen, doch die Pfützen, die sich rund um unser Auto bilden, können einem Tier zum Verhängnis werden. Da Ethylenglykol obendrein süßlich schmeckt, stören sich Tiere nicht daran, sich die Pfoten zu putzen, nachdem sie in eine Frostschutzpfütze getreten sind.
Falls Du auch nur den leisesten Verdacht hast, Deine Katze oder Dein Hund könnten Ethylenglykol aufgenommen haben, solltest Du SOFORT einen Tierarzt aufsuchen! Spätestens vier bis fünf Stunden nach der Aufnahme des Giftes muss mit einer Therapie begonnen werden, damit Dein Fellfreund wieder vollständig genesen kann.
Die möglichen Symptome einer Ethylenglykolvergiftung sind vielfältig, sodass auch hier gilt: Fahre lieber einmal zu viel zum Tierarzt als einmal zu wenig!
Benommenheit, Lethargie, Erbrechen, stark verminderter oder erhöhter Harnabsatz, Taumeln/Koordinationsstörungen, Atem- und Kreislaufprobleme, Krämpfe, Koliken, Defekte in der Mundhöhle, Geschwüre an den Schleimhäuten, Ausfälle des zentralen Nervensystems – all diese Symptome können auf eine Vergiftung mit Ethylenglykol hindeuten. Nach spätestens sechs Stunden fällt das vergiftete Tier ins Koma.
Selbst wenn die Symptome nicht stark ausgeprägt sind, solltest Du so schnell wie möglich einen Tierarzt aufsuchen. Hier zählt jede Minute!
Einer Vergiftung mit Ethylenglykol vorzubeugen, ist besonders bei Freigängerkatzen schwierig. Selbst wenn Du auf Produkte, die diesen Stoff enthalten, verzichtest, verwendet vielleicht ein Nachbar solch ein Enteisungsspray. Achte deshalb immer gut auf Deine Vierbeiner!
Medikamente (Humanmedizin)
Was uns Menschen hilft, kann für Tiere schädlich, sogar tödlich sein. Deshalb solltest Du Deine Medikamente immer neugiernasensicher aufbewahren. Außerdem darfst Du NIEMALS Deinem Tier ein Mittel aus der Humanmedizin verabreichen, nur weil es bei Dir gut hilft.
Paracetamol oder Aspirin sind gängige Beispiele. Fast jeder hat sie zu Hause im Medizinschränkchen. Bei Menschen lindern sie Schmerzen, für eine Katze ist bereits eine Tablette tödlich!
Hat Deine Katze oder Dein Hund ein Schmerzmittel gefressen, zählt jede Minute! Je schneller ein Gegenmittel verabreicht werden kann, desto größer die Chance, dass Dein Tier überlebt. Nimm unbedingt den Beipackzettel mit, wenn du zum Tierarzt fährst.
Die häufigsten Symptome sind blutiger Durchfall, Apathie und Erbrechen. Bei Katzen schwellen überdies Gesicht und Pfoten deutlich an und die Haut verfärbt sich bläulich.
Auch andere Medikamente sind gefährlich für unsere Fellchen. Je nachdem, was Dein Tier aufgenommen hat, können die Symptome variieren.
Dein Hund hechelt plötzlich stark, hat Zuckungen oder Krämpfe, speichelt extrem, erbricht oder hat Durchfall? Das kann auf eine Vergiftung hindeuten. Hast Du mitbekommen, dass Dein Hund eine Tablette gefressen hat, nimm unbedingt den Beipackzettel mit zum Tierarzt!
Deine Katze beginnt abrupt zu zittern, hat Koordinationsstörungen, Krampfanfälle, vermehrten Durst, Atemnot, erbricht oder hat Durchfall? Ab zum Tierarzt! Und falls Du mitbekommen hast, dass sie eine Tablette gefressen hat, nimm unbedingt den Beipackzettel mit!
Überhaupt: Wenn du mitbekommst, dass Dein Fellchen eine Tablette frisst und Du das Verschlucken nicht mehr verhindern kannst, warte nicht erst, bis sich Symptome zeigen, sondern suche SOFORT einen Tierarzt auf!
Lebensmittel
Xylit/Xylitol
Xylit (Birkenzucker) ist ein Zuckeraustauschstoff, der aus der Rinde finnischer Birken gewonnen wird. Außerdem kommt Xylit in verschiedenen Obst- und Gemüsesorten vor, beispielsweise Mais oder Erdbeeren.
Xylit wird zur Herstellung verschiedener Diät- oder Diabetikerprodukte genutzt. Auch ist es häufig in zuckerfreien Kaugummis enthalten. Als eigenständiges Produkt kann man Xylit wie Zucker verwenden.
Für Katzen ist Xylit unbedenklich. Bei Hunden kann Xylit bereits in geringen Mengen (0,1g/kg Körpergewicht) für einen lebensbedrohlichen Abfall des Blutzuckerspiegels führen, denn es bewirkt eine starke Insulinausschüttung. Größere Mengen führen zu akutem Leberversagen.
Ein besonders offensichtliches Symptom ist Erbrechen, aber auch Zittern, Schwäche, Teilnahmslosigkeit, Koordinationsstörungen, Orientierungslosigkeit, Durchfall, Herzrasen, Gelbfärbung der Schleimhäute/Augen, Ohnmacht oder gar Stupor (Starrezustand bei vollem Bewusstsein, meist in Seitenlage).
Für Deinen Hund zählt jede Minute, wenn er Xylit aufgenommen hat! Er muss umgehend tierärztlich notbehandelt werden. Ruf am besten zuerst bei Deinem Tierarzt an, um den Notfallpatienten anzukündigen und ggf. Erste-Hilfe-Maßnahmen zu besprechen.
Wenn du Xylitvergiftungen vorbeugen möchtest, kannst Du den Zuckerersatzstoff Erythrit verwenden. Der ist sowohl für Katzen als auch für Hunde ungefährlich und wird zu 90% unverdaut ausgeschieden.
Schokolade
Für uns Menschen ein Leckerli, für Hunde pures Gift – Schokolade. Dabei gilt: Je dunkler die Schokolade (also je höher der Kakaoanteil), desto gefährlicher. Auch für Katzen kann Schokolade gefährlich werden, aber da sie die Geschmacksrichtung „süß“ nicht wahrnehmen können, besteht bei ihnen viel seltener die Gefahr einer Vergiftung.
Was Schokolade so gefährlich macht, ist der Stoff Theobromin. Vor allem für kleine Hunde mit geringem Körpergewicht kann der Verzehr von Schokolade lebensbedrohlich sein. Oftmals erbrechen sich die Tiere direkt nach dem Verzehr heftig. In diesem Fall können sich die Symptome auf Unruhe, Angst, Hyperaktivität und/oder Muskelzittern beschränken.
Selbst wenn Dein Hund die verzehrte Schokolade direkt wieder erbrochen hat, solltest Du mit Deinem Tierarzt Kontakt aufnehmen.
Im Netz findest Du außerdem einen von einem Tierarzt erstellten „Schokoladenvergiftungs-Rechner“, der Dir einen Anhaltspunkt über die Schwere der Vergiftung geben kann.
Thunfisch
In vielen Cartoons ein gern genutztes Klischee: sich mit der Katze eine Dose Thunfisch zu teilen. In der Realität jedoch eine schlechte Idee, sowohl für Katzen als auch für Hunde, da Thunfisch Quecksilber enthält, das in größeren Mengen (ab etwa 100g Fisch) für unsere Fellchen schädlich ist.
Rosinen und Weintrauben
Sowohl bei Hunden als auch Katzen kann es nach dem Verzehr von Weintrauben oder Rosinen zu schweren, teils tödlichen Vergiftungserscheinungen kommen. Dabei ist bisher noch nicht klar, welche Inhaltsstoffe für die Vergiftung verantwortlich sind. Obendrein gibt es Tiere, die keine Symptome aufweisen, sodass eine genetische Prädisposition eine Rolle zu spielen scheint.
Hat Dein Fellchen nach dem Verzehr von Weintrauben oder Rosinen Beschwerden wie Erbrechen, Durchfall, Schmerzen und vermindertem Urinabsatz, solltest Du sofort einen Tierarzt aufsuchen!
Rohes Schweinefleisch
Sowohl Haus- als auch Wildschweine sind der Hauptwirt des Aujeszky-Virus. Durch den Verzehr von rohem Schweinefleisch können sich Hunde und Katzen damit infizieren.
Bei Hunden und Katzen verläuft die Infektion, die mit Gehirn- und Rückenmarksentzündung einhergeht, immer tödlich. Die meisten Tiere sterben innerhalb von 48 Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome. Menschen können sich nicht mit dem Virus infizieren.
Zwiebeln, Knoblauch, Porree usw.
Knoblauch ist gut gegen Zecken, sagen viele – ein fataler Irrglaube! Denn Lauchgewächse sind hochgradig schädlich für Dein Fellchen!
Lauchgewächse enthalten Sulfide, die für den charakteristischen Geruch verantwortlich sind. Diese schwefelhaltigen Verbindungen führen bei Hunden und Katzen jedoch zu einer Hämolyse (Zerstörung der roten Blutkörperchen).
Typische Symptome sind Erbrechen, Durchfall, hämolytische Anämie (Blutarmut – erkennbar am blassen Zahnfleisch), Herzrasen und Hecheln.
Unbehandelt kann eine Sulfidvergiftung zum Tod führen, deshalb ist auch hier ein sofortiger Besuch beim Tierarzt angesagt!
Walnüsse
Die Nüsse selbst sind nicht giftig für Hunde. Ab und an eine reife, geschälte Walnuss kann für Deinen Hund ein echtes Leckerli sein. Die grüne Fruchthülle, in der die Nuss reift, ist aber oft von einem Schimmelpilz befallen, der Giftstoffe bildet. Um sich zu vergiften, muss der Hund die Nuss nicht einmal fressen; es reicht, wenn er auf der Fruchthülle herumkaut oder die unreife Nuss auch nur ins Maul nimmt.
Die Symptome reichen von Erbrechen und Durchfall über Muskelzittern bis hin zu Krampfanfällen.
Falls Du einen Walnussbaum im Garten hast, solltest Du Deinen Hund nie unbeaufsichtigt lassen, solange der Baum Früchte trägt.
Für Katzen sind Nüsse generell ungesund bis giftig. Bei Manchen Katzen können Nüsse sogar allergische Reaktionen auslösen. Bitte verzichte deshalb darauf, Deine Katze mit Nüssen zu füttern. Hast Du eine Freigängerkatze und einen Walnussbaum im Garten, solltest Du aufpassen, dass Deine Katze nicht mit den unreifen Früchten spielt, weil sie sich so auch vergiften könnte.
Macadamianüsse
Für Katzen sind Macadamianüsse nicht per se giftig, jedoch äußerst ungesund, da sie zu ungefähr drei Vierteln nur aus Ölen bestehen. Aufgrund der Größe und Form des Nusskerns besteht beim Verzehr außerdem Erstickungsgefahr. Hat Deine Samtpfote Macadamianüsse gefressen, können Erbrechen und Durchfall die Folge sein. Es ist ratsam, einen Tierarzt aufzusuchen, auch wenn keine akute Vergiftungsgefahr besteht.
Für Hunde sind Macadamianüsse hochgiftig! Weshalb das so ist, stellt für Tiermediziner noch immer ein Rätsel dar. Bereits geringe Mengen (0,7g/kg Körpergewicht) können für einen Hund gefährlich werden. Angenommen, ein Macadamiakern wiegt 3 Gramm und Dein Hund wiegt 15 Kilo, dann reichen schon dreieinhalb Nusskerne aus, um bei Deinem Hund Vergiftungssymptome hervorzurufen.
Zu den Symptomen zählen Schwäche, Teilnahmslosigkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Muskelzittern, Koordinationsstörungen, Lahmheit, Steifheit, Fieber und blasse Schleimhäute.
Hast Du Deinen Hund beobachtet, wie er einen Nusskern oder vielleicht sogar mehrere stibitzt hat, warte nicht erst, bis die Symptome auftreten, sondern suche SOFORT einen Tierarzt auf!
Um zu verhindern, dass Deine Fellchen Macadamianüsse naschen, achte besonders gut darauf, dass Du den Snack nie unbeaufsichtigt und in der Reichweite Deiner Vierbeiner liegen lässt.
Alkohol bzw. alkoholische Speisen
Alkohol enthält ein Neurotoxin, das in großen Mengen bei Katzen und Hunden zu schweren Vergiftungen führen kann. Besonders reizvoll für unsere Fellchen sind beispielsweise Sahneliköre, weil sie interessant riechen. Hunde mögen außerdem den süßen Geschmack.
Milch
Milch ist zwar nicht giftig per se, aber Hunde und Katzen sind laktoseintolerant und bekommen von Milch Durchfall. Igel übrigens auch. Wenn Du also Igel im Garten hast, biete auch ihnen bitte keine Milch an.
Obstkerne
Viele Obstkerne (z.B. Pfirsich, Aprikose, Kirsche) sowie Samen oder Pflanzen (z.B. Kirschlorbeer) enthalten Substanzen (sogenannte cyanogene Glykoside), die im Körper durch Verdauungsenzyme in Blausäure umgewandelt werden. Bereits kleinste Mengen können Durchfall, Fieber, Atemnot (extremes Hecheln), Herzrasen, Zittern und Krämpfe auslösen und schließlich zum Tod führen.
Bemerkst du solche Symptome, suche SOFORT einen Tierarzt auf!
Um eine Blausäurevergiftung bei Deinem Fellchen zu verhindern, solltest Du auf die Anpflanzung cyanogener Pflanzen im Garten verzichten oder darauf achten, dass Dein Liebling keine Samen, Pflanzen oder Früchte frisst.
Pflanzen
Nicht nur im Garten, auch in der Wohnung gibt es viele giftige Pflanzen, an denen Hunde und Katzen gerne mal knabbern. Die Symptome sind so unterschiedlich wie die Pflanzen selbst, und eine Auflistung aller Pflanzen und der zugehörigen Vergiftungssymptome würde zu weit führen.
Wir haben jedoch eine kleine Liste mit Pflanzen zusammengestellt, auf die Du vielleicht lieber verzichtest oder dort pflanzt, wo Deine Vierbeiner sie nicht erreichen können.
Zu den giftigen Pflanzen gehören:
- Amaryllis
- Azalee
- Bogenhanf
- Buchsbaum
- Dieffenbachie
- Drachenbaum
- Eibe
- Einblatt
- Eisenhut
- Ficus
- Fingerhut
- Fliegenpilz
- Goldregen
- Gummibaum
- Hortensie
- Knollenblätterpilz
- Lorbeer
- Mistel
- Monstera
- Nachtschattengewächse (z.B. Tomaten)
- Oleander
- Philodendron
- Rhododendron
- Weihnachtsstern
- Yuccapalme
Zu guter Letzt: Wenn sich Dein Fellchen plötzlich eigenartig verhält, hechelt, zittert, sich übergibt oder Durchfall hat, solltest Du IMMER einen Tierarzt aufsuchen. Vielleicht handelt es sich nicht um eine Vergiftung, aber die Symptome sind dennoch alarmiedernd.
Bleibt gesund!

